Deutschland gerät bei der Breitbandversorgung immer weiter ins Hintertreffen. Das schadet der Bundesrepublik nicht nur im internationalen Vergleich, sondern bremst auch die hiesige Wirtschaft aus.

Wer hierzulande außerhalb urbaner Regionen online geht, dem ist es meist schon bewusst: Deutschland hat in Sachen Netzabdeckung noch einige weiße Flecken auf der Karte. Das ist nicht nur für viele Privatnutzer und Unternehmen ärgerlich, oder im schlimmsten Fall geschäftshemmend, sondern bringt die Bundesrepublik auch im internationalen Vergleich immer weiter ins Hintertreffen. Wie schlecht die Netzversorgung teilweise tatsächlich ist, zeigt eine aktuelle Studie von Akamai. Laut dieser lag das Durchschnittstempo der deutschen Anschlüsse im dritten Quartal des vergangenen Jahres bei 8,7 Megabit pro Sekunde. Weit abgeschlagen hinter europäischen Ländern wie Schweden mit 14,5 Megabit pro Sekunde oder asiatischen Staaten wie dem Spitzenreiter Südkorea mit 25,3 Megabit pro Sekunde. Lediglich 23 Prozent der deutschen Nutzer erreichten im Erhebungszeitraum eine Geschwindigkeit über zehn Megabit pro Sekunde.

Neben der konkreten Leistung macht Deutschland zusätzlich relativ kleine Schritte beim Ausbau. Im Jahresvergleich legte die Durchschnittsgeschwindigkeit um 15 Prozent zu. Andere Länder erreichten hier Wachstumsraten von 25 (Schweiz), 35 (Schweden) oder gar 44 Prozent (Rumänien).

Umbau statt Ausbau

Grund für die schlechte Stellung dürfte nicht zuletzt die geringe Verbreitung von Glasfaserverbindungen sein. Besonders die Deutsche Telekom setzt weiterhin auf das bestehende VDSL-Netz und die Vectoring-Technologie, die zwar einen momentanen und vor allem günstigen Temposchub verspricht, allerdings nur eine temporäre und stark beschränkte Lösung bleibt. Von rund 275.000 Glasfaseranschlüssen in Deutschland sind laut einer Studie des Ausrüsterverbandes FTTH lediglich 18.000 von Telekom-Kunden. »Ohne lokal und regional tätige alternative Netzbetreiber gäbe es vielerorts kein Highspeed-Internet, weil sich der Ausbau für Großkonzerne wie die Deutsche Telekom in ländlichen oder unterversorgten Regionen vielfach nicht rechnet«, erklärt Norbert Westfal, Präsident des Branchenverbandes Breko.

Die Telekom hält dagegen. Laut Medienberichten will der Bonner Netzbetreiber das Kapital für den Ausbau von 23 auf 23,5 Milliarden Euro erhöhen. So sagte Konzernchef Timotheus Höttges im Rahmen des Digital Life Design-Kongress (DLD) in München, dass die Telekom »nicht beginnen könne zu investieren, um dann plötzlich aufzuhören.« Die Investitionen der Telekom und die von Kleinanbietern addiert halten sich etwa die Waage.

Allerdings sind sich die verschiedenen Lager immer noch uneins, wer den Ausbau an unattraktiven Standorten finanzieren und wie dieser konkret aussehen soll. Währen Glasfaser und VDSL hoch im Kurs stehen, pochen andere Experten wiederum auf den Ausbau der Mobilfunknetze. Das soll sich laut dem Bitkom gleichzeitig positiv auf das Festnetz auswirken. »Die hohen Bandbreiten im Mobilfunk erfordern in den meisten Fällen die Anbindung der Funkzellen mit Glasfaser. Zusammen mit Vectoring-Technologien in den DSL-Netzen sowie der Aufrüstung der Kabelnetze bringen wir jetzt Superbreitband in die Fläche«, erklärt Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

Aber auch bei mobilen Datenverbindungen gehört Deutschland zu den Nachzüglern. Laut der Akamai-Studie betrug der Tempodurchschnitt im dritten Quartal des vergangenen Jahres gerade 5,4 Megabit pro Sekunde. Klassenprimus Südkorea erreichte, zugegebenermaßen weit vor dem Zweitplatzierten, einen Durschnitt von 18,2 Megabit pro Sekunde. Besonders alarmierend ist jedoch der Anteil der schnellen Mobilverbindungen hierzulande. Lediglich 18 Prozent der Zugänge erreichten Werte über vier Megabit pro Sekunde – hinteres Drittel im internationalen Vergleich. Dänemark und Schweden brachten es hingegen auf jeweils 94 Prozent. Schnelle Verbindungen sind also über alle Standards hinweg in Deutschland zumeist Mangelware.

Von den USA abgehängt

Im deutschen Markt mangelt es nicht an individuellen Strategien, punktuellen Lösungen und gegenseitigen Schuldzuweisungen, wer denn mehr für den Netzausbau tun müsste. Diesem Durcheinander würde gerne die Europäische Kommission entgegenwirken, um eine länderübergreifende Strategie zu entwickeln und so nicht den Anschluss an andere Technologie-Nationen zu verlieren – musste aber jüngst resignieren. »Wir haben das Spiel in der IT-Branche bereits verloren«, sagte Digitalkommissar Günther Oettinger im Rahmen des DLD in München in Hinblick auf den kompletten Wirtschaftszweig. Die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Digitalwirtschaft lasse nach und Google-Alternativen werde es hier nicht mehr geben. »Wir brauchen eine Überlebensstrategie«, so Oettinger, besonders für den Mittelstand. Diese Strategie sieht einen digitalen Binnenmarkt für Europa vor, für den Oettinger noch im kommenden Mai konkrete Pläne präsentieren will.

Dazu sollen einheitliche Regelungen bezüglich Datenschutz, Netzneutralität und Urheberrecht gehören, aber auch der Breitbandausbau steht oben auf der Agenda und soll eine europäische Strukturierung erfahren. Besonders die Kofinanzierung will Oettinger besser definieren: »Die Industrie braucht Planungssicherheit.« Bis 2020 sollen rund 15 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Allerdings bleibt noch offen, wer letztendlich für den Ausbau zuständig ist – EU, Regierung oder Kommunen – und wer von der Förderung profitiert.

Klare Linie gefragt

Letztendlich drängt die Zeit, dass Behörden sowie die Industrie sowohl auf deutscher als auch europäischer Ebene einen Weg finden, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Derzeit arbeiten fast alle Beteiligten gegeneinander, um dem Wettbewerb nicht in die Hände zu spielen und die Kosten weitestgehend zu drücken. Oder schieben die Verantwortlichkeit weiter. Wie jedoch die Akamai-Studie zeigt, wird Deutschland durch dieses Gerangel abgedrängt. Das schadet nicht nur konkret der digitalen Wirtschaft, sondern auch vielen weiteren Branchen, die zusehends auf vernetzte Unternehmensprozesse angewiesen sind.

von  Stefan Adelman | )

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Deutschland rutscht weiter ins Breitband-Abseits